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Kerzenziehen für den Hausgebrauch

Kerzen herzustellen, ist erst einmal nicht schwierig. Das kriegt jeder irgendwie hin, sogar wir. Der Teufel versteckt sich wie fast immer in den Details. Das hängt eben davon ab, was du genau vorhast. Wir möchten dir verraten, wie du mit möglichst haushaltsüblichen Bordmitteln zu Hause zu deiner eigenen Kerze kommst. Und wenn du dann noch Bock hast, kannst du dich gern mit unseren weiteren Anregungen herumschlagen.

Sicherheitshinweise vorweg

SchmelzvorrichtungWachs ist leicht entzündlich. Zum Kerzenmachen verwendest du deshalb auf jeden Fall ein Wasserbad. Nimm dir einen großen Kochtopf und stelle eine passende Blechdose hinein. Diese Blechdose kannst du dir beispielsweise durch den Verzehr einer Gewerbeeinheit Bockwürste organisieren. Die Größe der Dose richtet sich nach deinen Vorhaben.

Zum Ausprobieren reicht vielleicht schon eine Katzenfutterdose. Guten Appetit! In die Dose kommt dein Wachs, in den Topf das Wasser. Dann kannst du den Topf erhitzen.

Durch das Wasserbad gewährleistest du, dass das Wachs nicht zu heiß wird und sich entzündet. Die meisten Wachse schmelzen bei Temperaturen um die 60°C. Mit einem Wachsthermometer kannst du die Temperatur kontrollieren.

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Deinen Arbeitsplatz einrichten

Wenn du die Möglichkeit und eine mobile Herdplatte hast, dann mache deine Kerzen draußen und bei niedrigen Temperaturen. Mindestens solltest du in deiner Küche für eine gute Durchlüftung sorgen. Eine alte Tischdecke schützt Möbel. Als Unterlage für die warmen Kerzen hilft Backpapier. Wenn möglich, kannst du die Kerzen zum Abkühlen auch irgendwo aufhängen. Eine Kelle zum Einfüllen von Wachsperlen ist hilfreich, Messer und Küchenrolle haben wir immer griffbereit.

Welches Wachs?

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Die effizienteste Möglichkeit, an Wachs zu kommen, ist, die richtige Schranktür zu öffnen und sich dort an den Sammelstücken der letzten Jahre zu bedienen. Die meisten Haushalte dürften über eine Sammlung alter Kerzen verfügen, die eh nie mehr entzündet würden. Eine völlig legitime Art des Recyclings.

Dort findest du unter Umständen auch passende Dochte, fertige Kerzen zum Verzieren, halb ausgebrannte Teelichter und so weiter.

Damit kannst du im Grunde loslegen. Wenn du Wachs kaufen willst, hast du im Wesentlichen drei Auswahlmöglichkeiten: Paraffin, Stearin oder Bienenwachs. Paraffin wird aus Erdöl gewonnen und ist sozsagen das Standardwachs. Die ökologischen Nachteile liegen auf der Hand. Außerdem sind Zweifel an der Reinheit von billigen Paraffinkerzen angebracht.

Stearin wird aus pflanzlichen und tierischen Fetten hergestellt und ist somit ökologisch einen Schritt voraus. Allerdings hat Stearin tendenziell Nachteile in Aussehen und Brennverhalten der Kerzen. Das luxuriöseste, aber eben auch teuerste Wachs ist Bienenwachs.

Tauchen – Gießen – Ziehen

verschiedene KerzenJe nach Geschmack und Geduld unserer Teilnehmer gestalten wir unsere Kerzenwerkstatt so, dass möglichst jeder seine Art der Kerzenherstellung wählen kann. Denn um eine Kerze zu ziehen, solltest du wenigstens 30 Minuten einplanen. Schneller geht’s mit Gießen. Eine fertige Kerzen kannst du relativ zügig durch Tauchen verzieren. Wenigstens weitere 30 Minuten Zeit solltest du fürs Schmelzen des Wachses sowieso einplanen.

Kerzen tauchen

Wir brauchen
Fertige Kerzen,
Wachs, am besten farbig, und

die beschriebene Schmelzvorrichtung mit Wasserbad und Backpapier oder eine Aufhängung.

Fertige Kerzen zu tauchen, ist denkbar einfach. Tauche die fertige Kerze einfach für eine knappe Sekunde ins geschmolzene Wachs, hole sie wieder heraus, warte gut 30 Sekunden und tauche sie wieder kurz ein. Rausholen, Abkühlen, Eintauchen und so weiter. Die Abkühlgeschwindigkeit ändert sich natürlich mit der Umgebungstemperatur.

Unterschiedliche Farbschichten erhältst du ganz einfach dadurch, dass du die Kerze verschieden tief in verschiedene Farben tauchst. Ist doch klar, oder? Farbigen Wachs zauberst du dir entweder aus Kerzenresten zusammen oder du kaufst eben Wachsfarbe. Das ist eigentlich schon alles zum Tauchen.

Und welche Dochte?

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Jetzt geht’s los! Du kannst wählen zwischen Augen zu und durch oder viel viel lesen. Einen 100% passenden Docht auszuwählen, ist schwierig und selbst professionelle Kerzenmacher testen das bei neuen Kerzen.

Für den Hausgebrauch halten wir das für zu aufwändig und empfehlen dir

Flachdochte mit 3×9 Fäden für Kerzen mit 20-60 mm Durchmesser oder
Flachdochte mit 3×12 Fäden für Kerzen mit 40-60 mm Durchmesser
.

Flachdochte haben den Vorteil, dass du die Laufrichtung des Dochts nicht beachten musst. Die Alternative sind Runddochte, die in einer bestimmten Richtung in der Kerze laufen müssen, sonst brennt die nicht gut ab. Für Stearinkerzen gibt’s spezielle Dochte, denn… Ach weißt du, das geht jetzt zu sehr ins Detail. Wenn du’s genauer wissen willst, empfehlen wir dir, deine Recherche hier zu beginnen.

Kerzen gießen

Wir brauchen

Wachs mit und/oder ohne Farbe,
Dochte,
Ausstechförmchen, Becher, Pappkernrollen oder Marmeladengläser,
Schaschlikspieße,
Schälchen mit Sand,
Backpapier und

die beschriebene Schmelzvorrichtung mit Wasserbad.

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Förmchen in SandWir haben 2 Varianten erfolgreich ausprobiert. Lege dein Backpapier auf eine stabile Unterlage. Drücke darauf kräftig ein typisches Ausstechförmchen für Weihnachtsplätzchen und gieße das geschmolzene Wachs hinein. Zusätzlich kannst du die Förmchen durch Sand dämmen. Wenn du magst, kannst du so natürlich auch mehrere Farbschichten machen.

Schwimmkerzen in Ausstechförmchen gießenFür den Docht, uns reichte der 3×9-Docht, stichst du in das aushärtende Wachs mittig ein Loch und fädelst oder drückst den Docht hinein. Da machen sich die Schaschlikspieße ganz gut. Abschließend kommt die letzte Fuhre Wachs hinein.

Dann lässt du deine Kerze aushärten und holst sie zum Schluss ganz vorsichtig aus dem Förmchen. Diese Kerzen können übrigens schwimmen.

Docht durch den Boden fädelnFür die 2. Variante nimmst du dir einen Pappbecher. Unten hinein stichst du ein Loch und fädelst den Docht hindurch. Diesmal kannst einen stärkeren Docht nehmen. Stecke einen Schaschlikspieß nahe des Rands durch den Becher, dann durch den Docht, dann auf der gegenüberliegenden Seite wieder durch den Becher.

Stelle diese Konstruktion in eine Schale mit Sand.

GießvorrichtungSchau dir deine Vorrichtung genau an und überlege, wie es wohl weitergeht… Also hinein mit dem Wachs. Beim Abkühlen und Aushärten wirst du feststellen, dass das Volumen des Wachses abnimmt und in der Mitte ein Loch, um nicht zu sagen: Krater entsteht. Um diese Kraterbildung einzugrenzen, durchstich die Haut, die sich beim Abkühlen des Wachses bildet, und fülle weiteres geschmolzenes Wachs nach.

Mit den gleichen Verfahren kannst du natürlich auch ganze Marmeladengläser oder andere Behälter füllen.

Gegossene Kerzen in verschiedenen BehälternWir sind zwar nicht in Amerika, aber sicherheitshalber weisen wir darauf hin, dass du die Pappe bei in Pappbechern gegossenen Kerzen vorm Abbrennen entfernen solltest.

Und an heißem Wachs kann man sich verbrennen. Da die Schmelztemperatur um die 60°C liegt, sind die Gefahren überschaubar.

Wir haben nach einigem Zögern unsere Wachsdosen auch einfach in die Hände genommen zum Gießen. Ansonsten helfen Küchenrolle, Topflappen oder Asbesthandschuhe.

Kerzen ziehen

Wir brauchen

Wachs mit und/oder ohne Farbe,
Dochte,
Geduld und

die beschriebene Schmelzvorrichtung mit Wasserbad und Backpapier oder eine Aufhängung.

Kommen wir zur Königsdisziplin der Kerzenherstellung. Schneide dir einen passenden Docht zu, je nachdem, wie dick und hoch deine Kerze werden soll. Der Docht darf deutlich länger sein, als deine Kerze lang werden soll. Dann kannst du ihn besser greifen und aufhängen.

Kerze ziehenTauche ihn etwa 30 Sekunden in das geschmolzene Wachs, damit er sich schön vollsaugt. Ab jetzt erfolgen die Tauchgänge wie beim Verzieren fertiger Kerzen: 1 Sekunde im Wachs, 30 Sekunden abkühlen, 1 Sekunde im Wachs, 30 Sekunden abkühlen und so weiter. Die Abkühlgeschwindigkeit ändert sich natürlich mit der Umgebungstemperatur. Du kannst zwischendurch auf Toilette gehen. Vorzugsweise hängst du die Kerze zum Zwischen- und Endlagern am Docht auf.

Dein gewachster Docht sollte sich beim Abkühlen kräuseln. Das ist normal. Dann ziehst du ihn vorsichtig wieder lang. Du wirst wahrscheinlich feststellen, dass deine Kerze mit der Zeit verschiedene Formen annimmt, nur kerzengerade wird sie nicht. Das hängt davon ab, wie lang und wie tief die Kerze im Wachs ist und wie weit sie zwischendurch abkühlt. Probiere einfach aus.

Einfaches Beispiel: Du tauchst deine Kerze nur zur Hälfte in den geschmolzenen Wachs. Dann kommt an die obere Hälfte natürlich kein neuer Wachs, deine Kerze wächst nur unten rum.

Noch ein Beispiel: Deine Kerze ist vorm Tauchgang noch relativ warm und du tauchst sie tief ein. Am unteren Ende der Kerze wird der Wachs wieder flüssig und läuft ab, oben am Docht wird sie nur kurz erhitzt. Dann wächst sie oben mehr als unten.

Blödes Beispiel: Nichts und niemand hält dich davon ab, deine fast fertig gezogene Kerze von 5 Zentimetern Durchmesser 2 Minuten lang ins geschmolzene Wachs zu halten. Deine bisherige Arbeit verschwindet wie von Zauberhand.

Kerze rollenWenn deine Kerze den gewünschten Umfang erreicht hat, lässt du sie kurz auskühlen. Nach einiger Zeit kannst du sie aufs Backpapier legen und wie Knete rollen. Damit kannst du die Form noch etwas verändern. Am unteren Ende bildet sich beim Ziehen normalerweise eine Art Wulst, diese schneidest du nun bis zum Docht ab. Wenn du die Schnittkante noch abrundest, flutscht die Kerze wahrscheinlich leichter in einen Ständer.

Wir denken, das sollte ausreichen, um für den Hausgebrauch Kerzen zu ziehen. Es handelt sich um eine tradierte Handwerkskunst mit zahllosen Variationen. Über Gelkerzen oder Fackeln haben wir bisher kein Wort verloren. Wenn du weitere Informationen suchst, empfehlen wir dir den Kerzenmacher. Dort wurde uns bei unseren ersten Versuchen entscheidend geholfen. Im dazugehörigen Shop erlebten wir außerdem einen tollen Service und eine prompte Lieferung. Und schließlich wurde diese Anleitung noch auf Fehler gegengegelesen… Wir stehen sonst nicht so auf plumpe Werbung, aber so war’s eben.

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Alternative schwimmende Ölkerze

Wir möchten dich abschließend hinweisen auf eine Alternative, die wir getestet und für gut befunden haben. Es gibt so genannte Schwimmkerzen, die mit reinem Pflanzenöl funktionieren. Das hat den ökologischen Vorteil, dass Pflanzenöl rückstandsfrei verbrennt; den ökonomischen Vorteil, dass diese Kerzen für’n Apfel und’n Ei wiederverwendbar sind; den sicherheitstechnischen Vorteil, dass sie, im Wasser schwimmend, quasi einen eingebauten Brandschutz haben. Das sind doch einige Vorteile.

Du brauchst einen geeigneten Schwimmer. Der lässt sich sicher auch im Eigenbau herstellen, unsere Versuche waren wenig ertragreich. In das Loch in der Mitte steckst du ein ca. 2 cm langes, verzwirbeltes Stückchen Küchenrolle. In ein Gefäß kommt Wasser, obenauf eine Schicht Pflanzenöl. Nun legst du den Schwimmer hinein. Das Öl fließt durch kleine Kanäle zum Küchenrollendocht, dieser saugt sich voll. Jetzt kannst du die Kerze entzünden.

Diese Funktionsweise lehnt sich an die antiker Öllampen an. Ein Wissen, dass weitgehend verloren gegangen ist. Ausschweifenden Verzierungen sind bei solchen Kerzen natürlich Tür und Tor geöffnet.



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