Spiele in die Schule
Er habe es nicht so mit Schreiben und Lesen, sagte seine Lehrerin. Also haben wir seiner Bello-Erklärung gelauscht und seinen Merkzettel vorgeschrieben. Peter ist lernbehindert, nicht der junge Mann auf dem Foto hier und hätte so seine Spiel-Erklärung nur noch in den Computer tippen müssen. Dummerweise hat er den Zettel verloren.
Eine halbe Stunde später hat er einen neuen. Diesmal komplett selbst geschrieben. Denn Peter ist einer von 13 Schülern, die sich in der Projektwoche zu Spielleitern für ihre Mitschüler weiter bilden. Und damit trägt er Verantwortung.
Worum geht es
Dieser Spielleiter-Workshop ist zentraler Bestandteil, wenn es darum geht, deine Schule als Ganzes in die Lage zu versetzen, Spiele je nach Lage in den Schulalltag einzubauen. Als AG, als Förderung für Mathe, Sprache oder Sachkunde, als Unterrichtsergänzung oder im Rahmen eines Projekts. Notfalls auch als Unterrichtsvertretung.
Wie läuft das ab
Wenn du Lust hast, gestalten wir gemeinsam mit deiner Schule einen schrittweisen Prozess: Wir kommen mit Gesellschafts- und Bewegungsspielen, erklären und spielen einfach los. Bei Bedarf lernen wir zu spielen. Dann geben wir nach und nach die Erklärung an die Mitspieler ab, lassen uns auf Regeldiskurse ein und üben uns im konstruktiven Streiten. Bis sich der Prozess selbst trägt.
Wir haben die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Um dir aber einen Eindruck zu bieten, wie wir Spiele in die Schule bringen, geben wir dir hier ein Abriss, wie das in groben Zügen abläuft. Unser konkretes Vorgehen passen wir an die jeweiligen Bedingungen an. Grundsätzliches über unsere Art und Weise, mit Gesellschaftsspielen umzugehen, liest du in unserem ausführlicheren Spiele-Konzept.
Spielen als offenes Angebot
Spielen ist nicht jedermanns Sache, sondern eine Frage des Typs. Woran auch immer das liegt, aber es gibt nun mal Menschen, die nicht so leicht Zugang zum Spielen finden. Deshalb laden wir Schüler, Mitarbeiter und Eltern ein und versuchen die spielfreudigen unter ihnen abzuholen. Um einen harten Kern an Spielern zu finden.
Soweit unsere grundsätzliche Meinung. Natürlich sieht die Wirklichkeit mitunter anders aus. So erleben wir auch Klassen, die geschlossen spielen. 15 Erstklässler, die um 11:30 eigentlich gerädert sein sollten und ihre Freistunde bis zum Mittagessen nur noch hinter sich bringen wollen. Und alle finden sich in Spielegrüppchen zusammen.
Entscheidend ist die Auswahl
Insbesondere der Markt für Brett- und Kartenspiele ist so unübersichtlich, dass die Auswahl lohnenswerter Spiele schwierig genug ist. Wie wir an Sammlungen gut gemeinter Elternspenden oft genug sehen.
Aber genau diese Auswahl ist entscheidend, um möglichst vielen Anschluss zu bieten. Spiele für Knobler, für Zocker, für Merker, für Laberer und Denker, für einen allein, in kleinen oder großen Gruppen. In dem Maße, wie Spiele für unterschiedliche Typen interessant sind, so bieten sie auch Förder- und Fordermöglichkeiten.
Unsere Auswahl bietet durch ihre Vielfalt Anknüpfungspunkte und Herausforderungen für unterschiedliche Spielertypen. Unser Maßstab ist, dass die Spiele für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen spannend und gemeinsam zu spielen sind. Damit Mitarbeiter aus Lust mit ihren Schülern spielen, nicht aus Pflichtbewusstsein.
Verbindlichkeit erleben
Spielen ist ein erstaunlicher Ablauf: In kürzester Zeit entwickeln wir eine stabile soziale Beziehung. So lange wir in der Spielrunde sind, gelten für alle die gleichen Regeln, durch unsere Handlungen nehmen wir aufeinander Bezug und erleben Verbindlichkeit. Zudem völlig gefahrlos, denn es ist ja nur ein Spiel.
Umgang mit Regeln
Viele Pädagogen loben unser Angebot, weil man damit den Umgang mit Regeln erlernen könne. Mal ganz ehrlich: Regeltreue haben wir bisher nie als Problem erlebt. Selbstverständlich halten wir uns an die Vereinbarungen, spielen bis zum Ende und behandeln das Material sorgfältig. Genauso selbstverständlich gibt es Ausnahmen. Dann lernen wir eben, gemeinsam zu spielen oder wir lassen es.
Erklärrolle abgeben
Sind wir so weit, geben wir Schritt für Schritt unsere Aufgabe als Erklärer ab. „Du kennst dieses Spiel? Dann erklär es doch bitte.“ Jedes Mal eine Entscheidung im Einzelfall. Wenn nötig, mit Unterstützung und kurzer Nachbereitung. Wie hat die Erklärung geklappt? Kennen alle Mitspieler die gleichen Regeln? Wie hat sich der Erklärer dabei gefühlt? Und wir beziehen uns hier ausdrücklich auf Schüler, Mitarbeiter und Eltern.
Fest einbinden
Klappt die Erklärung, machen wir uns daran, Spiele fest in den Schulalltag einzubinden. Als Spieleregal- oder Koffer, im Rahmen des Unterrichts oder als Freizeitangebot, für Freiarbeitsphasen oder für den Pausenhof. So, wie es an deiner Schule am besten passt und wie es euch weiter bringt.
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