Mit fremden Federn schmücken
Eigentlich raube ich Gedankengut. Denn die Spiele in unserer Auswahl haben ganz andere Menschen erfunden. Ich danke dafür, besonders dafür, dass diese Spiele so unterschiedlich sind. Denn so finden auch ganz unterschiedliche Spielertypen Zugang zu unserem Angebot.
Beispielsweise das Prachtexemplar North Pole Camouflage. Als uns der junge Mann am Stand von Huch & friends seinerzeit dieses Spiel zeigte, wusste er schon wozu. Damit fesselte er die Kinder und konnte den Eltern, potenziellen Zockern, die aufwendigen und teuren Spiele zeigen. Diese kleine Knobelspiel unter vielen anderen interessierte ihn nicht weiter.
Ich kann zwar Caylus wärmstens empfehlen, aber gekauft haben wir die Knobelei. Das Spiel ist für einen einzelnen Knobler und erklärt sich von selbst, so dass sich auch Teilnehmer langsam annähern können, die keine Lust auf einen rammelvollen Tisch mit grölenden Hundefreunden haben. Das ist aber genau die Runde, die ein anderer Mensch sucht, um mitspielen zu können. Denn bei Bello kann man praktisch jederzeit einsteigen: Einfach reinrufen.
Für den nächsten ist die hochkonzentrierte Runde bei Zicke Zacke Hühnerkacke das Richtige, um Anschluss zu finden. Und wer Pech hat und bei Teamwork unachtsam den Begriff errät, muss danach natürlich selbst erklären.
Wir geben uns also große Mühe, für möglichst viele unterschiedliche Spielertypen etwas dabei zu haben. Spiele mit ganz verschiedenen Herausforderungen an Merkfähigkeit, Wahrnehmung, Fein-und Grobmotorik, Taktieren oder logisches Denken oder soziales Miteinander.

Spiele für verschiedene Typen und Generationen. Die Jüngste twistert, die Ältesten sind auf Speed in Schkeuditz.
Und Spaß sollen die Spiele natürlich auch noch machen. Solche Spiele gibt es genug, allerdings ist das Angebot inzwischen so vielfältig wie unübersichtlich. Meine Aufgabe ist es, darunter die Spiele herauszusuchen, die sich zu spielen lohnen. Gönne dir diese Orientierung. Ein wenig stolz bin ich nämlich schon auf meine Spiele-Auswahl und ich habe kein schlechtes Gefühl dabei, mich mit fremden Federn ausgiebig zu schmücken.
Im Spiegel der Erwartungen
Ich achte in vorderster Linie darauf, dass die Spiele mit Kindern und Erwachsenen gemeinsam und mit größtmöglicher Chancengleichheit zu spielen sind. Im Grundsatz kennen wir Erwachsenen den Memory-Effekt: Da sind Kinder ganz oft überlegen.
Das Augenmerk richte ich aber noch stärker auf Taktikspiele mit ausgewogenem Glücksfaktor. Da kommt es nicht darauf an, die richtige Strategie durchzuziehen. Da haben Kinder wenig Chancen. Sondern darum, flexibel mit neuen Situationen klar zu kommen. Dann sind kindliche Denkmuster nämlich ganz schnell gleichwertig und ebenso erfolgversprechend.

Alles Erwachsenen-Gelaber war vergebens. Die viel zu liebe Mitspielerin zieht eine fremde Figur ins Ziel.
Oder anders gesagt: Beim Merkspiel Los Mampfos gewinne ich gegen Kinder, wenn ich das will. Bei Im Geisterwäldchen nicht. Zwar kapieren die meisten Kinder, wozu sie den Führenden mit einem Gespenst einfangen sollten. Aber wenigstens eines der kleinen Biester hält sich bestimmt nicht daran. Dann kann ich mich mit meiner Erwachsenenlogik drehen und wenden, und vielleicht gewinnen. Aber das ist eher die Ausnahme.
Das klingt jetzt so, als wollte ich immer gewinnen? Genau, das trifft den Nagel auf den Kopf. Denn wie sagte Uli Hoeneß: „Der Zweite ist der erste Verlierer.” Gewinnen zu wollen, hat in meinen Augen etwas damit zu tun, die Mitspieler ernst zu nehmen. Als Gleicher unter Gleichen anzutreten.
Mir sträuben sich die Nackenhaare, wenn ich miterleben muss, wie Eltern ihre Kinder gewinnen lassen. Solche Rücksichtnahme erlebe ich meistens als arrogant und als Mitleid von oben, mit dem in erster Linie die Hierarchie zwischen Erwachsenen und Kindern verfestigt wird. Das ist nicht mein Stil.
Ich will ein Spiel gewinnen dürfen, schließlich willst du es auch. Du nimmst mich ernst, ich nehme dich schließlich auch ernst. Das ist ein wechselseitiger Prozess, in dem wir uns gegenseitig unserer Vollwertigkeit versichern. Im Spiegel der Erwartungen. Mitspielende Kinder und Erwachsene schätzen diese Haltung.
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