Verbindlichkeit erleben – Aus innerem Antrieb

„Was ist das hier?” – „Das ist Heimlich&Co. Das war mein liebstes Spiel, als ich so alt war wie du. Willst du es ausprobieren? Es braucht aber etwas Zeit und mehr Mitspieler.” Julius schleppt zwei Freunde mit an den Tisch und ich erkläre die Regeln dieses Klassikers von 1983. „Ich möchte euch bitten, wirklich sorgsam damit umzugehen. Das Spiel ist fast so alt wie ich selbst. So, wer mag noch mitspielen?” Bei den umstehenden Regel-Zuhörern gehen zwei Hände hoch, 5 Mitspieler, das passt gut für Heimlich & Co.

Nachts sind alle Katzen grau und keiner wird aus keinem schlau

Jeder zieht jeden. Für eine überschaubare Zeit: Heimlich&Co


Beim Spielen passieren ganz erstaunliche Dinge. Da kommen Menschen zu einander, nehmen zusammen Platz und gründen für kurze Zeit eine Runde. Bei meinen Brett- und Kartenspielen setzen wir uns zumeist an einen Tisch. Damit gehen wir eine Verbindung ein, wir verpflichten uns gegenseitig zu etwas.

Nicht in der Nase Boren

Hilfreiche Hinweise zum guten Erklären. Da unterwerfe ich mich doch gern.


Nämlich dass wir uns gemeinsam bestimmten Regeln unterwerfen. Das tun wir freiwillig und mit Absicht, für eine überschaubare Zeit.

Allein schon dieses kleine Erlebnis ist keine Selbstverständlichkeit in einer schnelllebigen Welt, die uns soviel Flexibilität abverlangt. Eine Lehrerin stieß mich mit der Nase darauf, als ich sie fragte, warum ihre Schüler so begeistert vom Spielen sind.

Teamwork auf der Treppe

Zusammensein - Teamwork auf der Treppe des evangelischen Schulzentrums Muldental


Klar, ich gebe es zu: Statt im Mathebuch zu arbeiten, nehmen sie gern diese Abwechslung an. Aber das erklärt nicht die Freude, die die Schüler beim Spielen haben. Für mich ist das irgendwie selbstverständlich, ein Spiel bis zum Ende zu spielen, auch wenn es keinen Spaß mehr macht. Aber auch unter den Schülern gibt es nur ganz wenige, die ein Spiel vor dem Ende verlassen.

Viel eher genießen sie dieses intensive soziale Miteinander, das im Übrigen völlig gefahrlos ist. Schließlich ist es ja nur ein Spiel. Eine Spielrunde ist ein Projekt und birgt keine Verpflichtungen für lange Zeit. Es ist sozusagen frei von nachhaltiger Wirkung. Und das senkt die Hemmschwelle, sich auf das Erleben von Verbindlichkeit einzulassen.

Lust kommt von innen

Twister auf der Connewitzer Hofmesse

Aus purem Spaß an der Freude. Auch wenn es bei Twister zuweilen um Leben und Tod geht.


Ich spiele vor allem zu einem Zweck: Zum Spielen, das macht mir Spaß. Lust habe ich darauf, mit anderen Menschen zu spielen, die auch spielen wollen. Denn ich bin kein Missionar, der anderen das Spielen nahe bringen will, darin ein wichtiges irgendetwas erkennen will, das jeder erlernen müsse, das jeden weiterbringe.

Auch glaube ich nicht daran, dass Spielen besonders geeignet sei, um Kinder den Umgang mit Regeln beizubringen. Natürlich habe ich Menschen kennen gelernt, die das Programm ‘Spielen’ nicht auf der Festplatte haben, die staunend zuschauen, wenn sich bunte Holzfiguren über ein nicht weniger buntes Brett bewegen. Und unbegreiflicherweise andere menschliche Wesen an diesem Exorzismus der schlechten Laune teilnehmen.

Unglaube im Geisterwäldchen auf dem FamilienSpieleFest

Wenn's Mama nich versteht, können wir doch nichts dafür.


Allein, meine viel häufigere Erfahrung ist, dass diejenigen, die an meinen Tisch kommen, ein grundsätzliches Regelverständnis mitbringen. Sie wissen, wie Regeln anzuwenden sind. Meistens ist auch klar, dass Regeln keine Heiligtümer, sondern veränderbar sind.

Nicht weniger Regelverständnis erwarte ich auch von meinen Mitspielern, was sich ebenso mit der Erfahrung deckt, dass Kinder nicht blöd sind. Meine Erwartungshaltung nenne ich übrigens Zutrauen. Und darüber freuen sich die meisten Mitspieler.

Spielen im Regenbogenland

Offenes Angebot, keine befohlene Fröhlichkeit: Die Kinder im Regenbogenland spielen... oder lassen es eben bleiben.


Wir gestalten den Spielraum möglichst als offenes Angebot. Damit haben wir den meisten Erfolg. Lass uns also keine Zwangsbespaßung oder befohlene Fröhlichkeit betreiben, indem wir festen Gruppen jetzt mal zeigen, wie viel Spaß Spielen macht.

Denn Mitmachen hat aus meiner Sicht etwas mit Wollen aus sich selbst heraus zu tun. Dann funktioniert auch der Mitnahmeeffekt: Dann können wir neue Spiele ausprobieren, andere Strategien testen oder über unsere Fehlleistungen im Spiel lachen.

Buntes Pferderennen

Giro Galoppo - Einfacher Regeleinstieg. Danach kann man die Groschen einzeln fallen hören.


Natürlich freue ich mich über das verstehende Leuchten in Kinderaugen, wenn sie bei Giro Galoppo das Pferd des Mitspielers erfolgreich wegdrängeln oder einsehen, dass sie bei Drachenwurf mit 4 Würfeln keine 5 roten Drachen erwürfeln können. Ich freue mich, wenn sich Menschen bewegen. Und es gibt auch Tage und Situationen, da freue ich mich, dass sich Menschen vom Spieltisch wegbewegen, wenn sie einfach keine Lust zum Spielen haben.

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