Werbung

Obstgehölze hegen und pflegen – Weiße Johannisbeere als Spindel im 3. Jahr

Prinzip trifft Empirie: Die Spindelerziehung hat sich in meinem Obstgarten in den meisten Fällen als Erziehungsform der Wahl erwiesen. Auch meine weiße Johannisbeere Blanchette behandle ich grundsätzlich so. Ein Grundsatz ist aber nicht dazu da, um sich knechthaft daran zu halten. Vor allem bei Blanchettes Spitze und bei ihren Seitentrieben waren 2018 situative Entscheidungen im Einzelfall zu treffen.

Weiße Johannisbeere Spindel im zweiten Standjahr – Blanchette im Winter 2018Es ist März 2018 und diese weiße Johannisbeere macht einen fast schon minimalistischen Eindruck. Von diesem Lebewesen ist tasächlich nicht viel zu sehen zu diesem Zeitpunkt.

Nimm diesen Anblick als Ermutigung, auch deine Johannis- und Stachelbeeren mutig zurückzuschneiden. Denn dieser Pflanze geht es wirklich gut, sie steckt voller Kraft. Auch wenn ich 2018 mit wenig Ertrag rechnen muss.

Was bisher geschah: 2016 habe ich den Busch in eine Spindel umgewandelt. Das heißt, ich habe den Stamm frei gestellt und alle anderen Basistriebe ausnahmslos gekappt.

Weiße Johannisbeere Spindel im zweiten Standjahr – Seitentriebe entfernen2017 habe ich unten herum den folgenden, unvermeidlichen Neuaustrieb aus der Pflanzenbasis immer wieder entfernt. Oben habe ich versucht, der Pflanze zu verklickern, welcher Trieb ihre Spitze ist, wo sie also verstärkt vegetativ wachsen möge. Und in der Mitte habe ich geerntet, wobei ich bei der kombinierten Sommer-Ernte-Pflege die früchtetragenden Seitentriebe entfernt und nur wenige Triebe, vorzugsweise frischen Neuaustrieb ohne Früchte, stehen gelassen habe, was im Zwischenergebnis zur minimalistischen Blanchette geführt hat.

Weiße Johannisbeere im dritten Jahr – HornspäneDas aktive Gartenjahr 2018 beginnt für Blanchette und mich Anfang April mit der Fußpflege. Zuerst entferne ich unerwünschte Begleitflora. Dann füttere ich die Johannisbeere mit Beerendünger auf die frei gekratzte Wurzel, etwas frischem Kompost und einem Extralöffel Hornspäne. Solche groben Hornspäne setze ich als Langzeitstickstoffdünger ein. Damit wird vor allem das grüne Pflanzenwachstum gefördert, nicht die Fruchtbildung. Und da Blanchette nach Ansicht im März 2018 offenkundig noch Platz zum Wachsen hat, gibt es diese Extraportion Stickstoff.

Nach der Fußpflege folgt die Bindungskontrolle. Der zentrale Stamm muss das ganze Gewicht der Pflanze auf Dauer zuverlässig tragen können. Deshalb binde ich ihn so an, dass er senkrecht steht, damit das Gewicht schnurgerade in Richtung der Erdanziehungskraft wirkt.

Weiße Johannisbeere im dritten Jahr – Spitze schneidenDas gilt auch für die Spitze. Deshalb wähle ich vom Austrieb ganz oben den Trieb aus, der sozusagen am geradesten nach oben wächst und stelle den frei, kappe also potenzielle Konkurrenten.

Damit weiß die Pflanze eigentlich, wo oben ist. Eigentlich, denn Blanchette pfeift auf diese Regel.

Weiße Johannisbeere im fünften Jahr – Abgeknickte SpitzeObstanbau ist ein mittel- bis langfristiges Hobby. Ich begleite meine Pflanzen also über mehrere Jahre, lerne am lebenden Objekt und im Einzelfall. Blanchette ist insofern Opfer meiner Neugier, denn sie ist meine erste Pflanze in Spindelerziehung gewesen. Sie hat einige meiner gärtnerischen Fehlentscheidungen tapfer ertragen. Im Gegenzug ich habe sie immer besser kennengelernt. Zum Beispiel ihre total nervige Neigung, ihre Spitze abzuknicken.

Sie hält sich also nicht ordnungsgemäß ans Prinzip der Spitzenförderung. Grundsätzlich wachsen Obstgehölze am stärksten vegetativ an ihrer Spitze oder an der Oberseite von Trieben. Bekanntes Beispiel sind so genannte Wasserschosser. Dieses Prinzip lässt sich gärtnerisch anwenden: Wenn ich das Wachstum an der Spitze fördern will, entferne ich die rundherum konkurrierenden Triebe. Blanchette spielt aber nicht nach dieser Regel. Was für mich bedeutet, regelmäßig die Spitze zu checken und situativ immer wieder neu zu entscheiden.

Weiße Johannisbeere im dritten Jahr – Fuß freimachen

Im Mai ist aus der minimalistischen Blanchette ein vor Wuchsfreude strotzendes Lebewesen geworden. Es ist allerhöchste Eisenbahn, mich um den Neuaustrieb aus der Pflanzenbasis zu kümmern. Vorzugsweise reiße ich die neuen Triebe aus, um möglichst viele Triebansätze zu entfernen. Der Fuß der Pflanze soll frei stehen, damit sie unten herum nach Regen schnell abtrocknet. Auch den unteren Bereich des Stamms mache ich so frei. Das Ausreißen mache ich vorzugsweise bei trockenem Wetter, um die Pilzgefahr durch Feuchtigkeit in offenen Wunden zu senken.

Weiße Johannisbeere im dritten Jahr – AusreißenGrundsätzlich muss man vorm Ausreißen von Trieben während der Vegetationsperiode als Gärtner keine Angst haben. Das sieht manchmal fies aus, aber es ist die eigentlich naturgemäße Art für eine verholzende Pflanze, einen Zweig oder Ast zu verlieren. Damit sollten diese Lebewesen gut klar kommen, sonst hätten sie evolutionär ein Problem in Zeiten vor Erfindung der Gartenschere gehabt. Zu feste Triebe schneide ich trotzdem mit der Schere heraus.

Weiße Johannisbeeren ernten und verarbeiten – Schnitt auf den StammNach meinem Verständnis ist das entscheidende Prinzip bei der Spindelerziehung, die Verjüngung der Pflanze durch Schneiden der Fruchttriebe auf den zentralen Stamm umzusetzen. Dabei lasse ich stets den Triebansatz am Stamm stehen, damit die Pflanze dort zukünftig wieder austreiben kann. Es stellt sich dann die Frage, nach welchen Regeln ich die Fruchttriebe entweder abschneide oder stehen lasse.

Die meisten Obstgehölze halten das folgendermaßen: Im ersten Jahr wachsen frische Triebe nur vegetativ, also ohne Früchte. Im Jahr darauf gehen sie in Blüte und fruchten dann, wachsen also generativ. Johannis- und Stachelbeeren machen das so. Um Verjüngung zu erreichen, kann ich solche früchtetragenden Triebe abschneiden. Jungen Austrieb ohne Früchte lasse ich stehen, damit dort im Folgejahr Früchte wachsen. Am besten erkennen, wo die Früchte hängen kann ich natürlich zur Erntezeit. Deshalb kombiniere ich meistens Ernte und Pflege.

Weiße Johannisbeere im dritten Jahr – Älterer FruchttriebSo weit das Prinzip, dann kommt die Empirie.

Einerseits: Ältere, früchtetragende Triebe, die in einem stabilen 45°-Winkel nach schräg oben wachsen, ohne die Spitze zu überragen oder die Pflanze stark zu verdichten, dürfen gern noch ein weiteres Jahr stehen bleiben und Früchte bringen.

Weiße Johannisbeere im dritten Jahr – Jüngere FruchttriebeAndererseits: Wenn frisch gewachsene, fruchtlose Triebe so stark überhängen, dass sie im nächsten Jahr mit Früchten dran schlechtestenfalls abbrechen, schneide ich sie ebenfalls heraus. Ähnlich verfahre ich, wenn viele frische Triebe sehr nah beieinander stehen, dann reduziere ich sie in der Anzahl, um mehr Licht und Luft in die Pflanze zu lassen. Kranke oder abgestorbene Pflanzenteile entferne ich bei Bedarf ebenso.

Vielfach lautet die Empfehlung, Triebe nur einzukürzen. Das ist das Vorgehen der Wahl, wenn’s um Ertragssteigerung geht. Dadurch bleiben Fruchtansätze länger erhalten, die Pflanze wird stärker zum Verzweigen und Bilden weiterer Fruchtansätze angeregt. Sie wächst sozusagen stufenweise in die Breite und bringt immer höhere Erträge. Von Zeit zu Zeit kann man zum Verjüngen auch mal einen ganzen Trieb herausschneiden.

Weiße Johannisbeeren ernten und verarbeiten – Früchtetragenden Seitentrieb abschneidenEinkürzen ist also ein sinnvolles Vorgehen zur Ertragssteigerung. Meine Zielvorgaben sind allerdings eher Pflanzengesundheit und Fruchtqualität. Dann ist das Zurückschneiden kompletter Fruchttriebe die bessere Wahl. Nebenbei ist es auch einfacher. Bei meiner Spindel schneide ich auf den zentralen Stamm zurück. Bei mehrtriebigen Büschen schneide ich direkt auf die Pflanzenbasis zurück, bei veredelten Johannis- und Stachelbeeren auf die Veredelungsstelle.

Weiße Johannisbeere im dritten Jahr – Vor und nach dem Sommerschnitt

Kurzes Gartencontrolling: So sieht Blanchette vor der Ernte und nach Ernte samt Schnitt aus. Auch unsere pflegeleichtesten Obstgehölze freuen sich über einen solchen Verjüngungsschnitt. Angst vor Fehlern beim Schneiden ist bei Johannisbeeren meistens auch wenig angebracht. In fast allen Fällen verzeihen diese Pflanzen ihrem Gärtner fast alles.

Weiße Johannisbeere im vierten Jahr – Blanchette im Februar 2019Bei Blanchette mache ich mir jedenfalls keine Sorgen. Auch wenn sie nach dem Schnitt einigermaßen gerupft und im Februar 2019 wieder sehr überschaubar aussieht, weiß ich ja, mit welchem Wachstum sie ab April reagieren wird.

Um diesen frischen Austrieb geht es, also um die Verjüngung meiner weißen Johannisbeere. Denn junges Holz bedeutet Vitalität, weniger Krankheiten und bessere Früchte.

Ich hoffe, du findest in diesem Projektbericht Anregungen für dein eigenes Gärtnern. Über deine Erfahrungen, besseren Ideen und Korrekturen würde ich mich freuen.



Werbung

Deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.