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Obstgehölze selbst vermehren – Neue Apfelbeeren durch Stecklinge

Seit 2013 betreiben wir unsere Leipziger Obsternte-Karte. Schon ganz zu Beginn unseres Projekts beeindruckte Christian von Leipzig Leih! mit einer grundsätzlichen Wortmeldung: „Wenn ihr das richtig machen wollt, dürft ihr eigentlich nicht nur pflücken, sondern müsst selbst auch pflanzen und pflegen.“ Diese Aufforderung ist Teil der Projekt-DNA geworden.

Aronia vermehren – Im Garten der WildvogelhilfeSeit 2015 verschenken wir Obststräucher unter der Maßgabe, sie so zu pflanzen, dass auch andere Menschen daran ernten können und sie auf unserer Karte eingetragen werden. Die betreffenden Pflanzen fallen nicht vom Himmel und geschenkt hat uns die auch niemand. Die Wahrheit ist: Wir haben sie selbst vermehrt. Wie, das verraten wir gern weiter. Vermehrung ist nämlich etwas Tolles.

Eine so entstandene Obstplantage ist natürlich bei Leipzig Leih! gelandet. Ansonsten haben wir beispielsweise den Garten der Leipziger Wildvogelhilfe und den Essbaren Palmengarten beschenkt. Beide bekamen von uns Hugins und Vikings. Das sind Apfelbeeren, um deren Vermehrung wir uns wie folgt kümmern.

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Aronia vermehren - Zweig abschneidenUnsere Obstgehölze schneiden wir zur Pflege vor allem im Frühjahr und im Sommer. Dabei fällt natürlich Pflanzenmaterial an, in erster Linie Zweige und Ästchen. Das ist kein Abfall, sondern der Stoff, aus dem wir Jungpflanzen gewinnen. Diese Triebe nehmen wir her, machen aus ihnen Stecklinge, die neue Wurzeln schlagen sollen.

Zum Vermehren von Apfelbeeren nehmen wir

Perlite als Substrat (Auf deutsch: Zum Reinstecken),
frische Zweige und Ästchen sowie

durchsichtige Kiste mit Deckel, Gartenschere, Schere, Plastikschildchen, Bleistift und Geduld.

Superfood Apfelbeere

Aronia vermehren - Beeren nahARONIA – Hallo google: Hier, Aroooonia! Damit du uns gut findest schreiben wir’s nochmal: Aronia! Aronia ist das Schlagwort. Aroniabeeren haben nämlich total viele gesunde Sachen drin. Deshalb ist Aronia unter Kräuterhexen und Health-Hipstern so beliebt. Aronia bietet alles, was das junge Herz begehrt, um jung zu bleiben. Die musst also Aronia im Garten haben.

Aronia ist ein Muss. Aber nur Aronia! Nenn sie ja nicht auf deutsch Apfelbeere, sonst merken deine Freunde gar nicht, wie weit vorn dabei du mit ARONIA bist! Dass so Aroniabeeren voll kacke schmecken (und deshalb im Garten der Wildvogelhilfe gelandet sind) ist ja egal. Hauptsache Aronia ist oberhip! ARONIA!

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Aronia vermehren - Haeppchen schneidenOb du deine Pflanze Apfelbeere oder Aronia nennst, ist uns natürlich vollkommen wurscht. Und der Pflanze und ihren potenziellen Nachkommen, den Stecklingen, nach unserem Kenntnisstand auch. Nimm also deinen Verschnitt und zerlege ihn in handliche, 15 bis 20 cm lange Abschnitte.

Unsere Kisten, die wir zur Vermehrung nutzen, sind etwa 30 cm hoch. Da sollten unsere Stecklinge hineinpassen.

Aronia vermehren - EntblaetternAls nächstes entfernst du alle Früchte und/oder Blüten. Von den Blättern lässt du nur das alleroberste stehen. Es sollte vergleichsweise klein sein. Erscheint es uns zu groß, halbieren oder vierteln wir es noch. Früchte, Blüten und Blätter schneiden wir so ab, dass Triebansätze (Oma sagt: schlafende Augen) erhalten bleiben.

Hier kann die junge Pflanzen Wurzeln bilden oder sich neue Zweige wachsen lassen. Da steckt im engeren Sinne Leben drin.

Aronia vermehren - Vorbereiteter StecklingSo ein Steckling funktioniert im Grunde wie eine normale Pflanze, nur dass er ein ganz akutes Problem hat, eine fundamentale Mangelerscheinung. Es fehlen die Wurzeln. Das macht die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen zu einer echten Herausforderung für die werdende Pflanze.

Deshalb entfernen wir möglichst vieles von dem, was der Pflanze Energie kosten würde: Blätter, Blüten und natürlich Früchte. Wir schalten sie auf Energie- und Wassersparmodus. Vor allem über die Blätter verdunstet eine normale Pflanze viel Feuchtigkeit. So einen kleinen Steckling würde das meistens überfordern.

Aronia vermehren - StecklingsarmadaWenn wir die Wahl haben, achten wir darauf, jüngere und ältere Zweige auszuwählen. Dann wird schon genug Wurzeln schlagen. Vor allem, wenn du nur eine einzelne Pflanze vermehren willst, reichen wenige Erfolgserlebnisse aus. Nimm einfach genug Stecklinge, den Rest erledigen die Natur und die Stochastik.

Wir scheren uns wenig um Details, die sich hinter Begriffen wie Kopfsteckling oder Steckholz verbergen.

Das heißt natürlich nicht, dass es sich dabei um Schwachsinn handelt oder dass du schlampig Vermehrung betreiben solltest. Aber lass dir durch zu viel Expertise keine Angst machen und den Spaß verderben.

Aronia vermehren - Perlite in KisteAchte beim Vorbereiten der Stecklinge auf saubere Hände und sauberes Werkzeug und betatsche die Schnittflächen nach Möglichkeit nicht. Denn als nächstes kommen die Stecklinge ins künftige Treibhaus. Wir befüllen dazu eine durchsichtige, 22 Liter fassende und bei einem schwedischen Einrichtungshaus erhältliche Kiste etwa halbvoll mit Perliten und geben 1 bis 1,5 Liter Wasser hinzu.

Zur Hinrichtung unserer Vermehrungskisten lassen wir uns an anderer Stelle in übertriebener Ausführlichkeit aus.

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Aronia vermehren - Stecklinge in Perlite steckenSteck, steck, steck – hinein, hinein, hinein in die Kiste. Diese durchsichtige Kiste mit Deckel machen wir gleich zum Treibhaus. Die feucht-warmen Bedingungen darin sind eine weitere Pflegemaßnahme für Stecklinge im Energiesparmodus. Wir machen es dem Steckling so gemütlich und stressfrei wie möglich. Zum Beispiel mit einem konstanten und verlässlichen Wasserhaushalt. 1 bis 1,5 Liter reichen tatsächlich völlig aus.

Wichtig für ein funktionierendes Treibhaus ist aber Sauberkeit, damit wir möglichst wenige Pilze, Bakterien oder Tierchen einschleppen. Ganz blöd in so einem Treibhaus: Schnecken oder Blattläuse. Beim Zuschneiden und Entblättern der Stecklinge also Tierchen aussortieren und Hände waschen nicht vergessen.

Zur Hygiene gehört außerdem, die Kisten möglichst täglich zu lüften und abgestorbene, faulende oder schimmelnde Pflanzenteile zu entfernen. Möglichst täglich bedeutet: Eigentlich immer, wenn wir im Garten sind.

Aronia vermehren - Schildchen HuginUnd noch eine Banalität: Beschrifte deine werdenden Jungpflanzen mit dem Sortennamen, wenn bekannt. Eine bewurzelte Jungpflanze aus dem Treibhaus zu operieren und dann an der Frage scheitern: Wer bist denn du? – Das ist uns schon passiert. Das ist ziemlich doof.

Aronia vermehren - Jungpflanzen und StecklingskisteZum Schluss Deckel drauf und die Kiste an einem nicht zu sonnigen Standort abstellen. Stecklingsvermehrung funktioniert am besten während der Vegetationsperiode, bei uns in Leipzig und je nach Wetter optimistisch von Februar bis in den Dezember. In den Kisten würde es in der hochsommerlichen Vollsonne zu heiß werden.

Deshalb stellen wir sie auf einem Schattenparkplatz ab.

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Aronia vermehren - Oben gruenSind die Stecklinge in ihrer Übergangsresidenz, heißt es für uns: Warten, warten, warten. So lange, bis – oh Wunder der Natur – die Stecklinge Wurzeln gebildet haben. Das erkennen wir daran, dass sie sich während der Vegetationsperiode oben neue, frische Triebe wachsen lassen.

Aronia vermehren - Wurzeln von unten anschauenUnten rum freuen wir uns, durchsichtige Kisten zu verwenden. Denn dadurch können wir sehen, ob und inwieweit da Wurzeln vorhanden sind. Wenn wir außerdem am Steckling ziehen und wackeln, sollte er fest in den Perliten hängen.

Aronia vermehren - Steckling amputierenDann ist es an der Zeit, die jungen Pflänzchen herauszuholen. Sicherlich werden sie in unterschiedlichem Maße gewurzelt haben. Selbst wenn nur wenige Wurzeln vorhanden sind, kannst du die Pflanzen herausholen. Je weniger Wurzeln, desto schwerer wird der Pflanze das Überleben fallen. Ein Blick aufs Wetter der kommenden Tage macht hier Sinn: Trockenes und heißes Wetter bedeutet für Pflanzen immer Stress. Tu das deinen Jungpflanzen besser nicht an.

Wir pflanzen die bewurzelten Stecklinge meistens in Töpfe. Die meisten unserer handvermehrten Pflanzen sind dazu gemacht, sie zeitnah zu verschenken.

Aronia vermehren - Zutaten zum EinpflanzenZum Einpflanzen beziehungsweise Eintopfen unserer Apfelbeeren benutzen wir

Erde,
Dünger,
Töpfe
sowie

Löffel, Pflanzkelle, Eimer, Schildchen, Stift und vielleicht eine Schere.

Bevor wir die Pflanzen aus den Kisten holen, bereiten wir die Erde zum Eintopfen vor. Dafür mischen wir gesiebte Erde etwa halbe-halbe mit Perliten. Die Perlite in unseren Vermehrungskisten sind nach erfolgtem Vermehrungseinsatz meistens so schmuddelig, dass wir sie zu Pflanzerde downcyceln. Damit senken wir den Nährstoffgehalt und die Lebendigkeit der Erde, erhöhen aber die Wasserspeicherung. Diese Erdmischung stellen wir bereit.

Aronia vermehren - Bewurzelter StecklingUnter aktiver Anwendung der Hebelgesetze und mittels Löffels operieren wir die junge Pflanze aus dem Substrat. Jetzt sehen wir die Wurzel. Die Pflanzen sind nun verletzlich und anfällig. Sie wollen zügig wieder Bodenhaftung. Wir versuchen, dass sie spätestens nach einer Stunde wieder in Erde stecken.

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Aronia vermehren - Jungpflanze in den TopfDann schnappen wir uns einen Topf und befüllen ihn etwa zu einem Drittel mit der Pflanzerde.

Dann kommt die junge Pflanze mit ihren Wurzeln. Anhaftende, angewurzelt Perlite nehmen wir gern. Bitte nicht schütteln oder gar abspülen.

Dann geben wir einen Esslöffel Beerendünger dazu. Eigentlich braucht die Jungpflanze gar keine Düngung. Je geringer das Nährstoffangebot, desto sinnvoller das Wurzelwachstum aus Sicht der Jungpflanze auf der Suche nach Verwertbarem.

Wir benutzen diesen Beerendünger eines führenden deutschen Ökoherstellers, weil darin außerdem Pilzsporen sind. Die dazugehörigen Pilze sollen mit den Wurzeln eine Beziehung zum gegenseitigen Vorteil eingehen. Das trendige Schlagwort lautet Mykorrhiza und ich wäre stolz darauf, es falsch zu schreiben.

Zum Überleben brauchen die Pilze aber Kontakt zur Wurzel. Und die liegt jetzt offen. Also impfen wir die Jungpflanze jetzt mit Pilzsporen. Ja, wir könnten auch eine reine Pilzmischung besorgen und dafür verwenden. Wir und unsere Pflanzen können mit diesem kompromittierenden Kombipräparat ganz gut leben.

Dann füllen wir den Topf um etwa ein weiteres Drittel mit der Pflanzerde auf.

Dann kommt noch ein Löffel grobe Hornspäne drauf. Die zersetzen sich recht langsam und geben entsprechend über einen langen Zeitraum Stickstoff ab. Damit fördern wir das grüne Wachstum gegenüber der Blüten- und Fruchtbildung.

In ihrem ersten Jahren sollen die Apfelbeeren eh noch keine Früchte tragen, sondern bitte schön kräftig wachsen.

Dann füllen wir den Topf randvoll mit Pflanzerde.

Dann stellen wir ihn bei Seite und wenden uns dem nächsten zu, bis alle Jungpflanzen verbuddelt sind.

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Sind wir damit fertig, verfrachten wir die Pflanzen an einen eher schattigen Ort – zumindest im Sommer, um größte Hitze und Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Dort gießen wir leicht an, schließlich wollen wir den Dünger mit den Pilzsporen nicht ausspülen. Die nächsten Tage und Wochen freuen sich die jungen Apfelbeeren über menschliche Zuwendung. Lassen sie die Blätter hängen, gießen wir selbstverständlich.

Dann wünsche ich uns viel Erfolg dabei, weitere neue Obststandorte in Leipzig zu schaffen, und dir viel Erfolg und noch mehr Spaß beim Vermehren. Über deine Korrekturen und besseren Ideen würden wir uns freuen.



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