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Obstgehölze selbst vermehren – Rote Johannisbeeren durch Stecklinge vermehren

Rote Johannisbeeren vermehren – Steckling in den Energiesparmodus versetzenRote Johannisbeeren sind der Klassiker unter den Beerenöbsten. Gleichzeitig sind sie zum Einstieg in die Stecklingsvermehrung sehr gut geeignet. Denn die Erfolgsaussichten für eine gelingende Vermehrung sind ziemlich hoch. Gern verrate ich dir, wie ich neue rote Johannisbeeren zum Verschenken im Rahmen meiner Leipziger Obsternte-Karte mache.

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Dafür brauche ich

frisch geschnittene Trieb der rote Johannisbeere und
Perlite sowie

durchsichtige Kiste mit Deckel, Gartenschere, Schere, Plastikschildchen, Bleistift und ein bisschen Zeit.

Rote Johannisbeeren vermehren – Reste der PflegemaßnahmenStecklingsvermehrung und Pflegemaßnahmen an meinen Obststräuchern fallen zeitlich bei mir zusammen, und zwar im Frühjahr und im Sommer. Frisch geschnittene Triebe fallen natürlich dann an, wenn ich an meinen Pflanzen sowieso herumschnipple. Diese Gartenabfälle wandern also nur selten auf den Kompost, meistens verwende ich sie zum Klonen gewünschter Obstsorten.

Rote Johannisbeeren vermehren – AbschnitteDafür schneide ich mit der Gartenschere* die Triebe in etwa 20 cm lange Häppchen. Ich nehme gern unterschiedlich alte und unterschiedlich verholzte Triebe, um die Erfolgsaussichten insgesamt durch Streuung zu erhöhen. Je nach Erziehungsstil fallen natürlich jüngere oder ältere Treibe an.

Rote Johannisbeeren vermehren – Blätter abschneidenDiese Häppchen entblättere, entblühte oder entfruchte ich. So ein Abschnitt hat zu Beginn ja gar keine Wurzel. Entsprechend schwer fällt es diesem Lebewesen, sich mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen. Deshalb versetze ich es in den Energiesparmodus, indem ich Blätter, Blüten und erst recht Früchte entferne. Übrig bleibt nur das oberste Blatt, damit wenigstens ein bisschen Fotosynthese stattfinden kann.

Beim Entblättern achte ich darauf, die Triebansätze am Steckling nicht zu beschädigen. An diesen Stellen kann die Pflanze neu austreiben oder Wurzeln bilden. In ihnen steckt sozusagen das Überlebenspotenzial der Stecklinge.

Rote Johannisbeeren vermehren – Bereit zum SteckenLetztens achte ich auf sauberes Arbeiten. Schimmelnde oder irgendwie krank aussehende Triebe sortiere ich aus, ebenso Getier. Außerdem versuche ich, die frischen Schnittwunden mit meinen verkeimten Fingerchen nicht zu berühren. Die Stecklinge kommen gleich in so eine Art Mini-Treibhaus. Krankheitserreger, Schädlinge oder Pilze sollen bitte draußen bleiben.

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Rote Johannisbeeren vermehren – Vermehrungskiste vorbereitenDiese Mini-Treibhäuser bereite ich in Kurzfassung so vor: In etwa 20 Liter fassende Plastikkisten* kippe ich etwa 10 Liter Perlite* und 1,5 bis 2 Liter Leitungswasser. Solche Perlite sind keim- und nährstofffrei, speichern sehr gut Wasser und sind in durch diese Kombination sehr gut zur Stecklingsvermehrung geeignet.

In Langfassung schwadroniere ich über meine Vermehrungskisten in Ausführlichkeit.

Rote Johannisbeeren vermehren – SteckenDie vorbereiteten Triebe stecke ich dann natürlich. Und zwar mit etwa 5 cm Abstand zueinander und so, dass sie sich untereinander und auch die Wand der Kiste nicht berühren. Noch beschriften, damit ich die Sorten nicht durcheinanderwürfle. Deckel drauf und Abfahrt an einen halbschattigen Ort für geschätzt 2 Monate. In dieser Zeit immer mal wieder die Kiste lüften und abgestorbene oder schimmelnde Pflanzenteile aussortieren.

Vegetative Vermehrung = Klonen

Rote Johannisbeeren vermehren – Ich betreibe den ganzen Kladderadatsch, um eine bestimmte Sorte einer Obstart zu erhalten. Dafür ist die Stecklingsvermehrung das Mittel meiner Wahl. Lass mich eine Runde schlaumeiern: Die Vermehrung mit einem lebenden Pflanzenteil nennt man vegetativ. Das Gegenstück dazu ist die generative Vermehrung, also die Nummer mit den Blüten und den Bienchen beziehungsweise Phenylethylamin. Bei dieser Variante werden Genpoole zu einem neuen Lebewesen vermischt. Unterschiedlichkeit und Durchmischung sind gewünscht und dieses Verfahren ist ein evolutionäres Erfolgsmodell, auch wenn dessen Komplexität für die AfD unbegreiflich ist.

Der Nachteil: Man weiß vorher nicht, was hinten rauskommt. Deshalb lohnt es sich auch nicht, aus einem beliebigen Apfelkern oder Pflaumenstein einen Baum über Jahre zu hegen und zu pflegen, wenn das Ziel ist, später reichlich leckere Früchte zu ernten. Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich gering, dass sich aus der recht zufälligen bis gänzlich unbekannten Kombination der elterlichen Gene eine lohnenswerte Obstsorte entwickeln wird. Das ist das geduldige Geschäft der Obstzüchter.

Rote Johannisbeeren vermehren – HerausholenHier kommt die vegetative Vermehrung wieder ins Spiel. Wenn ich bereits über eine Sorte verfüge, die ich bewahren und vervielfältigen möchte, brauche ich also ein Verfahren, bei dem der Genpool von Eltern und Kindern gleich bleibt. Also Klonen. Nichts anderes machen wir hier. Für den Privatgebrauch geht es erfahrungsgemäß häufig darum, ein einzelnes, alterndes Lebewesen zu retten. Für Bäume bietet sich in den meisten Fällen das Veredeln, für Sträucher die Stecklingsvermehrung an.

Meine Erfahrungswerte sind so, dass ich mit einer Erfolgsquote von 50 % Überlebenden bei meinen Stecklingen zufrieden bin. Glücklicherweise bin ich aber auch keine Gärtnerei oder Baumschule. Meinen Workshopteilnehmern empfehle ich also normalerweise: Probiert’s einfach mit ausreichend vielen Stecklingen, dann werden schon genug neue Lebewesen dabei herauskommen.

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Rote Johannisbeeren vermehren – Frisches GrünKommen wir zur Erfolgskontrolle. Die erfolgreiche Bewurzelung erkenne ich oberirdisch daran, dass die Pflanze sich neue, grüne Blätter wachsen lässt. Unterirdisch – war ich ganz unzufällig so clever, durchsichtige Kisten zu verwenden – finde ich neue Wurzeln. Wenn es so aussieht, wird es Zeit, die Stecklinge herauszuholen und umzupflanzen.

Dafür brauche ich

Rote Johannisbeeren vermehren – Pflanzerde,
Beerendünger,
Hornspäne sowie

Löffel, Pflanzkelle, Töpfchen, Gartenschere, Plastikschildchen und Bleistift.

Vorzugsweise mache ich das zu einem Zeitpunkt, wenn angenehmes Wetter angekündigt ist, dass den Jungpflanzen möglichst wenig Stress bereiten wird. Vor allem keine sengende Hitze oder Trockenheit oder andererseits auch keinen strengen Frost. Die Stecklinge hier kamen in einem Oktober in die Erde, das ist ein guter Zeitpunkt. So können sie in Ruhe anwachsen, bevor der Winter kommt. Und im kommenden Frühjahr können sie direkt loslegen mit dem Wachsen.

Rote Johannisbeeren vermehren – Bewurzelter StecklingDafür operiere ich die Stecklinge unter sanfter Anwendung der Hebelgesetze liebevoll heraus. Die ganz jungen, zarten Wurzeln möchten möglichst wenig verletzt werden.

Rote Johannisbeeren vermehren – Vorm Einpflanzen checke ich die Stecklinge im Einzelfall. Gänzlich abgestorbene Exemplare führe ich dem Permakulturkreisläufen meines Obstgartens zu. Einige haben nur wenige neue Blätter oder kaum bis oder gar keine sichtbaren Wurzeln gebildet. Um sicher herauszubekommen, ob ein Steckling noch lebt oder nicht, schneide ich ihn über dem obersten Triebansatz auf. Drinnen kann ich sicher bestimmen, wie viel Leben in ihm steckt.

Rote Johannisbeeren vermehren – Ich pflanze in Töpfe, weil ich die Beeren zeitnah verschenken will. Immer unter der Maßgabe, sie so zu pflanzen, dass auch andere Menschen daran ernten können und sie auf meiner Obsternte-Karte eingetragen werden. Die eigentlich bessere Alternative ist natürlich, die Jungpflanze dort einzusetzen, wo sie auf Dauer leben soll.

Rote Johannisbeeren vermehren – Beerendünger auf die offene WurzelZum Pflanzen recycle ich abgehalfterte Gartenerde und ausgelutschte Perlite aus den Vermehrungskisten. Das ergibt ein recht ärmseliges Substrat, das aber gut Wasser speichert. Auf die offene Wurzel gebe ich einen Esslöffel Beerendünger*, der Sporen mykorrhizafähiger Pilze enthält. Diese Pilze machen mit der Wurzel auf Symbiose, sonst könnte die Pilze gar nicht überleben. Die Beerensträucher profitieren durch verbesserte Nährstoffaufnahme. Und jetzt ist der richtige Zeitpunkt für diese Impfung, denn allzu oft begegne ich der Pflanzenwurzel nicht.

Rote Johannisbeeren vermehren – Fürs grüne Pflanzenwachstum bekommen die Pflanzen einen Esslöffel grobe Hornspäne* als Stickstoff-Langzeitdünger verabreicht. Die zersetzen sich eher langsam und wirken in der ersten Wachtsumperiode. In dieser Zeit soll sich das junge Lebewesen vor allem darauf konzentrieren, größer zu werden, also vegetativ zu wachsen, aber noch keine Blüten oder Früchte bilden, also nicht generativ wachsen. Stickstoffdünger ist also das, was sie brauchen. Blüten oder Früchte entferne ich im ersten Lebensjahr.

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Die Wahl der Sorte

Rote Johannisbeeren vermehren – Ich betreibe den ganzen Kladderadatsch, um eine bestimmte Sorte einer Obstart zu erhalten. In diesem Fall heißt sie Lisette und ist das Werk eines Züchters meines Vertrauens. Ausgewählt habe ich diese rote Johannisbeere mit Absicht.

Da meine Pflanzen zum Teil in den öffentlichen Raum kommen, suchte ich wuchsfreudige Sträucher aus, damit sie in freier Wildbahn nicht untergehen. Außerdem erlauben sie die Erziehung als Spindel oder am Spalier.

Wenn du mal in die Verlegenheit kommst, Obstgehölze neu zu kaufen, dann investiere bei der Sortenwahl etwas Zeit, Lust und Gehirnschmalz, um Kulturpflanzen zu finden, die zu deinen Bedingungen und Vorhaben passen. Schließlich willst du über Jahre an ihnen Freude haben. Meiner Erfahrung nach lohnt sich eine solche Investition. Denn als Gärtner können wir von jahrelanger Züchtungsarbeit profitieren.

Einen authentischen Eindruck vom Züchten gewährt Markus Kobelt. Von den erwähnten Goldjohannisbeersorten leben heute 2 in meinem Obstgarten, die ich inzwischen mit Zustimmung des Züchters zum Verschenken selbst vermehrt habe.

Rote Johannisbeeren vermehren – Auf diese Art landen alle meine neuen Lisetten in Töpfen: Erde – Steckling – Beerendünger – Erde – Hornspäne – Erde – Abfahrt. Zum Schluss wieder das Schildchen mit dem Sortennamen dazu. Kleinster Tipp am Rande: Bleistift hält auf solchen Plastiksteckern im Freien tatsächlich am besten.

Rote Johannisbeeren vermehren – Abschließend kommen die Jungpflanzen wieder an einen halbschattigen Ort, an dem schon andere Beerensträucher warten, um dort in Ruhe anwachsen zu können. Bis sie das Schicksal ereilt, meinen Obstgarten verlassen zu müssen.

Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg bei deiner Stecklingsvermehrung. Über deine Erfahrungsberichte, Ideen und Korrekturen würde ich mich freuen.

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