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Kleines ABC der Erntehilfen – Brombeeren ernten und entkernen

ErntefreudenObst zu ernten, ist keine große Kunst. Wie bei vielen anderen konstruktiven Tätigkeiten stecken auch hier die Teufelchen in den Details. Oder positiv formuliert: So ein paar kleine Tipps, Tricks und Hinweise sind durchaus hilfreich, um die Ernte zu erleichtern und effektiver zu machen.

Deine größte Hilfe beim Ernten ist hoffentlich dein gesunder Menschenverstand.

Gern erinnern wir uns in diesem Zusammenhang an die freundliche Lokaljournalistin, die uns bei einer unserer ersten Erntetouren fragte, wie denn die optimale Ernteausrüstung auszusehen habe. Damals weitgehend überfordert von der Tiefgründigkeit dieser Frage, können wir heute voller Überzeugung raten: Eine fünfsprossige Klappleiter reicht zur Erdbeerernte völlig aus.

Unsere weitreichenden und tiefgründigen Erfahrungen beim Ernten gründen sich übrigens auf den Betrieb unserer Leipziger Obsternte-Karte, auf der wir Orte sammeln, an denen interessierte Mitmenschen mit ausdrücklicher Zustimmung des Besitzers Obst ernten dürfen. Und in diesem Zusammenhang laden wir von Mai bis Dezember zu geführten Obsterntetouren samt anschließender Verarbeitung ein.

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Brombeeren ernten - Eimer einhaengenZur Brombeerernte nehmen wir

ein Eimerchen mit Henkel,
einen Karabiner,
eine Gürtelschlaufe und
bei Bedarf eine Gartenschere.

Brombeeren ernten - Zwei Hände freiDer entscheidende Handgriff: Wir hängen uns das Eimerchen mit Henkel mit einem Karabiner* an eine Gürtelschlaufe. Das ist einfach und effizient – und das Standardverfahren für eigentlich alle beerengroßen Frǘchte, die sich im Stehen ernten lassen: Von Johannisbeeren über Felsenbirnen bis Kornelkirschen.

Dadurch haben wir beide Hände frei. Die Ernte geht schneller und bei stachligen oder dornigen Gewächsen mit weniger Schmerzen vonstatten. Vor allem beim Ernten im öffentlichen Raum, wenn die Pflanzen weniger kultiviert da stehen, machen zwei freie Hände Sinn.

Dein Obst für LeipzigBrombeeren gibt es bei uns in Leipzig übrigens wie Sand am Meer. Reichlich Fundorte findest du auf unserer Leipziger Obsternte-Karte. Zur Wahrheit gehört, dass an vielen Stellen schwierig zu ernten ist beziehungsweise viele Stellen schnell und häufig leergepflückt werden. Clevere Zeitgenossen wenden sich zur Brombeerernte gern direkt an uns und erhalten durch Verkauf ihrer Seele Geheimwissen.

Für die meisten Brombeeren ist die Erntezeit von Ende Juli bis September. Einige moderne Brombeersorten tragen ihre Früchte ab September. Denen wirst du aber in freier Wildbahn und im öffentlichen Raum eher selten begegnen.

Brombeeren ernten - Tolle FruchtWoran erkennst du, dass eine Brombeere reif ist? Vollreife Brombeere fallen durch leichtes Anstupsen aus ihrer Halterung.

Brombeeren für die Weiterverarbeitung, nicht für den Frischverzehr, dürfen gern tropfen und auseinanderfallen. Für den Frischverzehr würden wir Früchte höherer struktureller Integrität bevorzugen.

Welche Früchte du essen magst und welche nicht, entscheidest selbstverständlich du. Wir empfehlen dir beim Frischverzehr einen prüfenden Blick auf die einzelne Frucht. Maden und Ameisen begegnen wir häufig. Frische, selbst geerntete Brombeeren sind definitiv für Vegetarier ungeeignet.

Brombeeren ernten - Schöne ErnteJe nachdem, wie oft du zum Ernten kommst und was du mit den Beeren vorhast, kannst du auch Brombeeren ernten, die noch fester am Strauch hängen, also noch nicht ganz ausgereift sind. Das Brombeeraroma ist meist schon recht früh da. Genaueste Informationen zum Geschmack erhältst du durch Kosten. Später werden die Früchte eigentlich nur noch süßer.

Wenn du also beispielsweise Gelee oder Konfitüre machen willst, kannst du die Süße später durch Zucker oder ein anderes Süßungsmittel nach deinen Bedürfnissen feintunen.

Auf der anderen Seite pflücken wir auch vertrocknete, matschige und schimmelnde Früchte ab – natürlich nicht zum Verzehr. Das spart der Pflanze Energie und verringert Infektionsgefahren. Deutsche Kleingärtner entsorgen verkeimte Früchte über den Sondermüll. Wir faulen Schlampen lassen die einfach fallen und reden uns erfolgreich ein: Das reguliert sich in einem gesunden Ökosystem schon von selbst.

Brombeeren ernten - Unreife BrombeerenWenn wir mit ausreichend Zeit in unserem Obstgärtchen ernten, schneiden wir ganz oder fast abgetragene Triebe gern ab. Auch das spart der Pflanze Energie, die sie dann ins Pflanzenwachstum und in andere, reifende Früchte steckt. So gepflegt, lassen sich Brombeeren über 2 Monate ernten.

Bist du mit deinen Früchten zufrieden und sind die Pflanzen gesund, kannst du solche Triebe einfach an Ort und Stelle fallen lassen. Wahrscheinlich beherbergen sie förderliche Mitbewohner. Du kannst mit ihnen deinen Brombeernachwuchs impfen. Kranke oder stark verpilzte Triebe würden wir auf dem Kompost entsorgen. Gute deutsche Kleingärtner tun das nicht.

Probleme mit kranken Brombeerranken kennen wir aber nur theoretisch, so dass wir uns erfolgreich einreden können: Das reguliert sich in einem gesunden Ökosystem schon von selbst.

So, genug gelabert, auf geht’s: Genieße die meditative Ruhe des Pflückens. Diese Ruhe lässt sich durch die Anwesenheit anderer Personen effektiv stören.

Brombeeren ernten - In den FrostFrische Brombeeren sind nur etwa 2 Tage lagerfähig. Also entweder schnell vernaschen oder weiterverarbeiten. Unsere Brombeeren wandern fast immer auf kürzestem Wege in den Frost. Stammen sie aus unserem Obstgärtchen, ersparen wir ihnen sogar den Umweg übers Waschbecken.

Die Früchte sind meistens so saftig, dass wir durchs Waschen viel Saft wegspülen würden. Aufs Waschen können wir verzichten, weil unser Garten vor Dreckschleudern gut geschützt liegt. Keine Straße oder Industrie in der Nähe, nur Wohnhäuser. Unsere Früchte sind einfach nicht dreckig.

Das Frosten von Früchten hat vor allem zwei Vorteile. Erstens können wir während der gesamten Erntezeit warten, bis ausreichend Früchte zusammengekommen sind, damit sich die Verarbeitung lohnt.

Brombeeren ernten - Frische neben tiefgefrorenen BrombeerenZweitens lassen sich Früchte nach dem Auftauen besser entsaften. Das liegt daran, dass irgendwelche Zellwände kollabieren, wenn’s kalt wird, weil das eben biomolekulare Abläufe so machen – Also im Detail kann man das wissen, muss man aber nicht. Es deckt sich jedenfalls mit unseren eigenen Beobachtungen. Auf dem Foto: Links frisch geerntete Brombeeren, rechts Brombeeren aus dem Frost.

Sprich: Läuft bei uns. Die theoretischen Details sind uns Vergessenheit geraten, aber Freund Google verrät sie dir sicher bei Bedarf. Das Prinzip funktioniert im Grunde mit jedem Obst.

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Zur Weiterverarbeitung von Brombeeren benutzen wir

eine starke Else,
passende Schüsselchen,
Löffel zum Einfüllen und
einen Messbecher.

Brombeeren ernten - EntsaftenNach dem Auftauen rücken wir unseren Brombeeren zum Entsaften mit der starken Else zu Leibe. Natürlich lassen sich auch ganze Brombeeren verarbeiten, aber wir verringern gern die Anzahl der Brombeerkerne, die der strenge Botaniker Steine nennen würde. Wer’s crunchy mag, kann sich das Entsaften natürlich sparen. Die erste Alternative zur Beeren- ist eine Passiermühle.

Brombeeren ernten - TresterDie starke Else ist eine Beerenmühle oder -presse. In ihr werden die Früchte über einem Sieb ausgequetscht. Unten läuft der Saft raus, hinten purzeln die Reste herunter. Der geneigte Fachmann spricht vom Trester. Diese Reste lassen sich zur Likörherstellung verwenden. Die ganz Harten wie wie Steffi werfen sich das Zeug als Smoothie rein. Wie gesagt: Nichts für Vegetarier.

So, genug gelabert, auf geht’s: Genieße die meditative Ruhe des Entsaftens. Diese Ruhe lässt sich durch die Anwesenheit anderer Personen effektiv stören.

Brombeeren ernten - Götterspeise anrührenZum Schluss kommt der Saft in einen Messbecher. Schließlich wollen wir wissen, wie viel es geworden ist. Und diese Information brauchen wir natürlich auch zur Weiterverarbeitung. Als Orienterungshilfe: Aus 1 Kilo Brombeeren holen wir etwa 500 bis 600 ml Saft.

Wir machen aus dem Saft jetzt noch direkt Brombeer-Götterspeise.

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Dir wünschen wir viel Spaß beim Ernten. Wenn etwas nicht funktioniert, freuen wir uns über deine Beschwerden. Das Gleiche gilt für deine Erfahrungsberichte und besseren Ideen.

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2 Kommentare zu Kleines ABC der Erntehilfen – Brombeeren ernten und entkernen

  • Robert sagt:

    Hallo,

    ich habe Eure Webseite heute erst entdeckt, als ich auf der Suche nach Infos zu Goldjohannisbeeren war.
    Erstmal: Glückwunsch, die Infos heben sich durch eine gewisse Tiefe, echte Praxiserfahrung und interessante Sprache angenehm von vielen anderen Texten zu Gartenthemen ab.

    Bei den Brombeeren bin ich allerdings etwas verwundert darüber, dass Ihr offenbar andere Erfahrungen gemacht habt als ich bisher.

    Insbesondere schreibt Ihr:
    „Das Brombeeraroma ist meist schon recht früh da. […] Später werden die Früchte eigentlich nur noch süßer.

    […] kannst du die Süße später durch Zucker oder ein anderes Süßungsmittel nach deinen Bedürfnissen feintunen.“

    Hm, ich würde normalerweise sagen: Brombeeren entwickelt erst dann das absolut köstliche Brombeeraroma, wenn die Früchte eigentlich schon mit dem Vergammeln anfangen. Wenn sie also bereits matschig werden und möglicherweise sogar die ersten Teilkugeln der Frucht braunviolett statt schwarz erscheinen.

    Außerdem hatte ich bei meinen eigenen Brombeeren den Eindruck, dass sie nach dem Einfrieren weniger aromatisch und weniger süß waren. War allerdings kein kontrollierter Versuch, nur ein Eindruck.

    In den letzten Jahren bin ich dazu übergegangen, die Brombeeren möglichst zeitnah zu entkernen. Zum Entkernen von Beeren (auch Johannisbeeren, Holunderbeeren, etc.) habe ich verschiedene Geräte probiert.

    Zum einen habe ich eine Jupiter Beerenpresse (das Prinzip sehr ähnlich wie die Starke Else), außerdem für die Kitchenaid Küchenmaschine einen Beerenpressaufsatz (ebenfalls eine Pressschnecke wie bei einem Fleischwolf). Leider funktionieren beide nicht mehr so wie am Anfang. Z.T. setzt sich der Tresterauswurf mit einer betonartigen Masse von zerquetschten Kernen zu, die ich nur mit Bohrmaschine und Schraubendreher wieder entfernt bekomme. Eventuell liegt es daran, dass ein Gummiteil am Ausgang verhärtet ist, den falschen Gegendruck aufbaut und dann eine Fehlfunktion resultiert.

    Zuletzt habe ich einen „Slow Juicer“ dafür verwendet, ich habe ein Gerät von Panasonic (MJ-L500 ?).

    Der Trester kommt sehr trocken raus, da ist nicht mehr genug Frucht dran, um Likör o.ä. zu machen. Ich habe mehrfach versucht, das mit einer kleinen Menge Wasser aufzukochen um noch die letzten Fruchtanteile zu nutzen – lohnt nicht, da ist kein Geschmack mehr drin. Der vom Slow Juicer gewonnene Saft ist eher Fruchtpüree, hervorragend für Marmelade geeignet. Und wenn man will bzw. die Menge ein wenig erhöhen muss um das Kilo für eine Charge Marmelade vollzumachen, dann kann man beim Entsaften zwischen den Brombeeren auch gleich ein paar Birnen- oder Apfelschnitzer dazwischenwerfen.

    Viele Grüße,
    Robert

  • Sebastian sagt:

    Hallo Robert,

    vielen Dank für deine 2 starken Rückmeldungen zu Brombeeren und Holunderbeeren. Da sind viele gute Tipps darunter. Ich ernte meine Brombeeren vor allem in meinem Garten an halbverwilderten Lebewesen, das waren vermutlich mal klassische Theodor Reimers. Diese ernte ich je nach Vorhaben eher früher als später. Und für die würde ich behaupten, dass das Aroma früh schmeckbar ist und die Früchte zum Schluss eigentlich nur noch Fruchtzucker zulegen. Zucker ist natürlich ein Geschmacksverstärker. Insofern schmecken sie kurz vorm Abfallen natürlich besser oder intensiver. Da ist halt die Frage, was aus den Beeren werden soll. Übrigens: Die Früchte neuerer Brombeersorten, darunter viele dornenlose, schmecken mir viel zu süß, wie Zucker mit Farbstoff.

    Den Hinweis zum Einfrieren nehme ich mit. Das kann ich mir vorstellen, dass sie anschließend weniger süß schmecken. Meine erste bescheidene Vermutung wäre allerdings, dass Speisen weniger süß schmecken, je kälter sie sind. Für mich sind beim Einfrieren aber eh die Logistik und die Saftausbeute wichtiger. Zucker kann ich bei Bedarf nachgeben.

    Von einem Slow Juicer haben mich bisher die Anschaffungskosten und vielleicht ein bisschen die Romantik beim Verarbeiten abgehalten. Rein technokratisch ist er aus meiner Sicht das bestmögliche zurzeit verfügbare Werkzeug.

    Liebe Grüße

    Sebastian

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